Verkäufer für mehrere Unternehmen: Strukturvertrieb-Verkäufer
Einige Mehrfach-Vermittler sind als Strukturvertrieb organisiert. Das sind hierarchisch und pyramidenartig aufgebaute Verkaufs-Organisationen. Jeder Verkäufer der Organisation (selbständiger Handelsvertreter) kann neue Unter-Verkäufer anheuern, an deren Vertrags-Abschlüssen er dann mitverdient.
Wirbt ein Strukki zum Beispiel 3 neue Verkäufer an, bekommt er von jedem Vertrags-Abschluß, den diese neuen Verkäufer zustande bringen, einen Teil der Provision.
Wirbt jeder der 3 Verkäufer dann seinerseits 3 neue Verkäufer, dann verdient der Beispiel-Strukki sowohl an seinen 3 Unter-Strukkis als auch an deren 9 Unter-Unter-Strukkis.
Werben die wiederum jeder je 3 neue Verkäufer, verdient er an seinen 3 Unter-Strukkis, an deren 9 Unter-Unter-Strukkis und an deren 27 Unter-Unter-Unter-Strukkis.
Und so weiter.
Auf diese Weise kann ein erfolgreicher Strukki monatlich an seinen untergeordneten Strukkis mehrere Zehntausend EURO, später auch mehrere Hunderttausend EURO verdienen - pro Monat.
Das Ziel eines Strukkis besteht nicht darin, selbst eine tolle Verkaufs-Kanone zu werden, sondern darin, neue Leute anzuheuern, die für ihn anschaffen gehen. Auch wenn man sich noch so abrackert, man würde das, was Dutzende oder Hunderte untergeordnete Strukkis für einen heranschaffen, alleine nie zustande bekommen.
Die neu geworbenen Verkäufer bringen das mit, was am wichtigsten in diesem System ist: Neue Adressen, und zwar die der Freunde, Bekannten und Verwandten. Dabei wird das Vertrauensverhältnis zwischen dem neuen Verkäufer und den ihm nahestehenden Personen gnadenlos ausgenutzt (mein Freund wird mir schon nichts schlechtes empfehlen). Die werden oft mit provisionsträchtigen Verträgen zugepflastert. Vor allem mit Lebensversicherungen und Krankenversicherungen, weil die hohe Provisionen bringen. Und die sind nötig, denn zig Personen in der Pyramide bekommen von jedem Abschluß ihren Anteil.
Und wenn aus dem Strukki etwas werden soll, muß er möglichst viele seiner Opfer (die ja nicht wissen, daß sie abgezockt werden) zu Tätern machen, sprich sie dazu zu bringen, ihren bisherigen Beruf (ihre Lehre, ihr Studium) aufzugeben und selbst "erfolgreicher Vermögensberater" zu werden.
Das ist das Ziel, aber es bleibt für die meisten natürlich Theorie. Experten schätzen, daß über 90% aller Strukkis unterhalb der Armutsgrenze leben. Wenn die Freunde und Bekannten abgegrast und mit Verträgen zugepflastert sind, endet die "Karriere" fast aller Strukkis.
Drückerkolonnen
In Deutschland sind viele Strukurvertriebe aufgrund agressiver und unseriöser Verkaufsmethoden in Verruf geraten. Sie werden häufig als Drückerkolonnen und/oder Kloppertruppen bezeichnet.
Typisch für eine Reihe dieser Vertriebe ist es, den Eindruck zu erwecken, unabhängig von Anbietern zu sein. Das stimmt oft nicht. Einige große Strukturvertriebe sind sogar direkt von Anbietern abhängig, sie sind Tochter-Gesellschaften.
Viele Strukturvertriebe vermitteln Produkte, die ausgesprochen schädlich für den Geldbeutel der Kunden sind, weil sie zu teuer, unsinnig oder in der Leistung schlecht sind.
TIPP:
Lassen Sie den Mehrfach-Vermittler eine Selbstauskunft ausfüllen und unterschreiben. So erhalten Sie Informationen über seine Qualifikation.
TIPP:
Rufen Sie bei der Verbraucher-Zentrale Berlin e.V. an und erkundigen Sie sich dort über das Vermittlungs-Unternehmen, für das Ihr Verkäufer arbeitet.
Detaillierte Informationen zu Strukturvertrieben unter:
http://www.wolfgang-kynast.de/geld/strukver.htm
| Falsch | Richtig |
|---|---|
| Strukturvertriebe sind unabhängige Unternehmen. | Einige Strukturvertriebe sind Tochter-Gesellschaften von Banken oder Versicherungen. Nach außen wird eine Unabhängigkeit vorgegaukelt, die gar nicht vorhanden ist. Aber auch die unabhängigen Strukturvertriebe leben von den Provisionen der Anbieter (Banken, Versicherungs-Gesellschaften, Bausparkassen). |
| Strukturvertriebe sind "Beratungs"-Gesellschaften. | Nein Strukturvertriebe sind Massen- Verkaufs-Truppen. Das Ziel ist nicht, die Kunden optimal zu beraten , sondern die Produkte der Anbieter zu verkaufen. Nur dann gibt es Provisionen. |
| Die Strukturvertriebe und deren Vermittler (nennen sich Berater) stehen auf der Seite der Kunden und vertreten deren Interesse gegenüber den Anbietern (Versicherung, Bausparkasse, Bank). | Nein Genau umgekehrt. Strukturvertriebe und deren Vermittler vertreten die Interessen der Produkt-Anbieter, in deren Auftrag sie verkaufen! Außerdem vertreten Strukturvertriebe und Vermittler ihr eigenes Interesse, das Provisions-Interesse. |
| Die Mitarbeiter von Strukturvertrieben sind reine "Berater". | Nein Es sind Verkäufer, die Versicherungs- und Finanzprodukte auf Provisions-Basis vermitteln. Versicherungs-Vertreter aller Art haben in der Bevölkerung ein schlechtes Image. "Vermögensberater" klingt nicht so abscheulich nach "Ich will Dir etwas verkaufen", obwohl genau das das Ziel ist: Verkaufen. Denn nur dann gibt es Provision. Daß sich die Verkäufer als "Berater" tarnen dürfen, liegt an einer der vielen Gesetzeslücken in Deutschland. |
| Die Mitarbeiter werden für die Beratung ihrer Kunden vom Strukturvertrieb bezahlt. | Nein Für die "Beratung" bekommen sie nichts. Nur wenn die "Beratung" zu einem Vertrags-Abschluß führt, bekommen sie eine Provision. |
| Die Mitarbeiter können frei die besten Versicherungs-Produkte vermitteln. | Strukturvertriebe sind in der Regel keine Makler, sondern Mehrfach-Agenten. Sie haben feste Vertriebs-Vereinbarungen mit einigen Anbietern abgeschlossen. Nur die Produkte dieser Anbieter kann der Vermittler dann anbieten. |
| Die Mitarbeiter können jede Geldanlage frei vermitteln. | Strukturvertriebe sind in der Regel keine Makler, sondern Mehrfach-Agenten. Sie haben feste Vertriebs-Vereinbarungen mit einigen Anbietern abgeschlossen. Nur die Produkte dieser Anbieter kann der Vermittler dann anbieten. |
| Der Verkäufer eines Strukturvertriebs verdient am meisten, wenn er möglichst viele Verträge vermittelt. | Nein Er verdient am meisten, wenn er möglichst viele neue Mitarbeiter gewinnt, an deren Abschlüssen er mitverdient. |
Frisch-Fleisch für Strukturvertriebe
Jeder Verkäufer der Organisation (selbständiger Handelsvertreter) kann neue Unter-Verkäufer anheuern, an deren Vertragsabschlüssen er dann mitverdient. Wirbt ein Strukki zum Beispiel 3 neue Verkäufer an, bekommt er von jedem Vertrags-Abschluß, den diese neuen Verkäufer zustande bringen, einen Teil der Provision. Wirbt jeder der 3 Verkäufer dann seinerseits 3 neue Verkäufer, dann verdient der Beispiel-Strukki sowohl an seinen 3 Unter-Strukkis als auch an deren 9 Unter-Unter-Strukkis. Werben die wiederum jeder je 3 neue Verkäufer, verdient er an seinen 3 Unter-Strukkis, an deren 9 Unter-Unter-Strukkis und an deren 27 Unter-Unter-Unter-Strukkis. Und so weiter.
Das oberste Ziel eines Strukkis besteht nicht darin, selbst eine tolle Verkaufs-Kanone zu werden, sondern darin, neue Leute anzuheuern, die für ihn anschaffen gehen. Auch wenn man sich noch so abrackert, man würde das, was Dutzende oder Hunderte untergeordnete Strukkis für einen heranschaffen, allein nie zustande bekommen.
| Falsch | Richtig |
|---|---|
| Neue Mitarbeiter eines Strukturvertriebs werden erst monatelang geschult, damit sie sich die nötigen Kenntnisse aneignen, die ein Versicherungskaufmann oder Bankkaufmann beispielsweise in seiner 2-jährigen Ausbildung erlernt. | Nein Neue Mitarbeiter haben erst einmal die Aufgabe, möglichst schnell (sofort) Termine mit ihren Bekannten, Verwandten und Freunden zu machen, damit diesen neue Verträge aufgeschwatzt werden können. Denn darum geht´s, dann gibt´s Geld, sprich Provisionen. Das ist das Ziel der Anwerbung neuer Mitarbeiter. Deren Umfeld soll abgegrast und ausgeschlachtet werden. Nebenbei lernt der Mitarbeiter in Verkaufs-Schulungen, wie man die Kunden am besten packt. |
Nach wenigen Wochen Hobbyschulung lassen viele Strukturvertriebe unfähige Verkäufer auf die Menschheit los. Verkäufer, die einige Wochen zuvor noch keinen blassen Schimmer von den Produkten hatten, die sie jetzt den Leuten unterjubeln sollen. Verkäufer, die mit traumhaft hohen Verdienst-Möglichkeiten geködert und scharf gemacht worden sind.
| Falsch | Richtig |
|---|---|
| »Vermögensanalysen« bilden die Grundlage einer optimalen Beratung. | Diese »Analyse« hat vor allem den Zweck herauszufinden, wie man am besten an das Geld der Kunden kommt. Das wird den Opfern natürlich ganz anders verkauft. Vor allem wird ihnen erzählt, sie bekämen eine ganzheitliche "Beratung", die ein Versicherungs-Vertreter oder Sachbearbeiter einer Bank eben nicht bieten könne. Denn schließlich sei man ja unabhängig. |
| Die »Vermögensanalyse« gibt objektive Ergebnisse aus. | Der Strukturvertrieb hat mit bestimmten Anbietern eine Vertriebs-Vereinbarung getroffen. Diese Anbieter müssen bedient werden. Strukturvertriebe sind in der Regel keine Makler. Viele Anbieter lehnen die Zusammenarbeit mit Strukturvertrieben ab. Bestimmte Produkte bringen hohe Provisionen, andere niedrige. Verkäufer und ihre Vertriebs-Bosse, die dauernd nur die für die Kunden günstigen Produkte vermitteln würden, wären nach wenigen Wochen pleite. |
| Der Verkäufer eines Strukturvertriebs schielt nie auf die Provision, sondern hat immer nur einzig das Wohl seiner Kunden im Auge. | Der »Struktur-Verkäufer« muß zusehen, daß er jeden Monat so viel Provision bekommt, daß er die Kosten decken kann und ihm ein Gewinn übrigbleibt. Die beruflichen Kosten liegen zwischen mehreren Hundert und mehreren Tausend EURO monatlich (Büro, Auto, Fahrtkosten). Hinzu kommen die Beiträge für die Kranken-Versicherung und Renten-Versicherung. Und dann sind da noch die Wohnungsmiete, die Kosten für Ernährung und Kleidung der Familie, für Anschaffungen, für Urlaub und Freizeit und so weiter. Und nicht vergessen! Von der Provision muß der Verkäufer noch einiges an andere in der Strukki-Pyramide abgeben. Da wird schnell klar, daß das nötige Kleingeld nicht mit dem Abschluß von Hausrat-Versicherungen und Haftpflicht-Versicherungen hereinkommt. Die bringen nur ein paar EURO Provision ein. Will der von Provisionen abhängige Verkäufer nicht verhungern, muß er darauf achten, genügend Verträge mit hoher Provision zu verkaufen. Das sind vor allem die Lebensversicherungen mit Sparvorgang (Kapital-LV und Renten-LV), Kranken-Versicherungen, Einmaleinlagen InvestmentFonds, Bausparverträge. Rät er zu Bundesschatzbriefen, gibt´s keinen Cent. Rät er zu Aktien, gibt es keinen Cent. Rät er zu verzinslichen Wertpapieren, gibt es auch dafür "null komma gar nichts". |
Wer ständig unter dem Druck steht, viel Geld verdienen zu müssen, schielt zwangsläufig mit großen Augen auf die Provision.
Allfinanz-Vertriebe
Seit etwas mehr als 25 Jahren bieten Allfinanz-Vertriebskolonnen ihre Dienste an. Die Idee: Statt bei der Bank die Geld-Geschäfte zu erledigen, bei der Versicherung Versicherungs-Policen zu kaufen, bei der Bausparkasse einen Bauspar-Vertrag abzuschließen, und so weiter, kann man beim Allfinanz-Vertreiber - der sich natürlich "Berater" nennt - alles aus einer Hand bekommen.
Was in der Theorie gar nicht schlecht klingt, wird seit Jahrzehnten weitgehend stümperhaft umgesetzt - nach Expertenschätzungen millionenfach zum finanziellen Desaster für die Verbraucher (hier besser: "Opfer").
Für den Allfinanz-Vertreiber ist jeder Verbraucher, den er als Kunde gewinnt, eine sprudelnde Provisions-Quelle. Und so wundert es dann auch nicht, daß in der Praxis Allfinanz vor allem eine Profit-Maximierungs-Maschine für Finanz-Hausierer ist.
Damals zu Beginn der 70er Jahre hatten die Versicherungs-Vertreter den besten Zugriff auf die Verbraucher. Abends in heimeliger Atmosphäre am Wohnzimmer-Tisch läßt sich doch ganz anders plaudern und verkaufen als in den tristen Schalterhallen einer Bank oder Sparkasse. Umtriebige Finanz-Verkäufer kamen darauf, sich das zu nutze zu machen. Sie handelten mit Banken, Versicherungen und Bausparkassen Vertriebs-Vereinbarungen aus und boten den Leuten zu Hause eine erweiterte Palette von Finanz-Produkten an. Dabei zog vor allem ein Argument, das oft gelogen war:
"Wir sind unabhängig und suchen Ihnen das beste des Finanz-Marktes für Sie heraus."
So oder ähnlich gelogen köderten viele ihre arglosen gutgläubigen Opfer.
Ein Finanz-Vertreiber ist aber kein Samariter, sondern ein kapitalistischer Kaufmann, der auf Profit aus ist. Das führt dann dazu, daß gerne mit den Anbietern Vertriebs-Vereinbarungen geschlossen werden, die zwar schlechte Produkte aber hohe Provisionen bieten. Die Provisionen zahlen die Kunden, von deren Zahlungen sie abgezweigt werden. Je höher die Provision, desto mehr muß der Kunde finanziell bluten. Natürlich darf der Kunde das nicht merken. Aber für die Vertuschung gibt es genügend Tricks.
Unabhängige Beratung und günstige Produkte - das versprachen zwar die meisten Verkäufer dieser Kolonnen, aber es war gelogen.
Welche Verkäufer von welcher Kolonne heute lügen, wissen in vielen Fällen die Mitarbeiter der Verbraucher-Zentrale.