Emissions-Varianten bei verzinslichen Wertpapieren

Ähnlich wie Autos, deren Technik sich nicht ändert, aber die eine neue Karosserie bekommen, geht es auch bei mancher Variante eines verzinslichen Wertpapiers zu. Bei einigen allerdings handelt es sich nicht nur um eine Spielerei, sondern um eine nützliche Variante.

  • Variabel verzinst: Floating Rate Notes - Floater
  • Variabel verzinst: Reverse Floating Rate Notes - Reverse Floater
  • Zinsphasen-Anleihen
  • Doppelwährungs-Anleihen
  • Options-Anleihen
  • Wandel-Anleihen
  • Junk-Anleihen (Junk-Bonds)
  • EURO-Auslands-Anleihen

 


Variabel verzinste Wertpapiere: Floating Rate Notes - Floater

Die Zinsen werden nicht in gleichbleibender Höhe gezahlt, sondern sie orientieren sich am Verlauf des Zins-Niveaus am Kapitalmarkt. Steigen die Zinsen, steigen auch die Zinsen des Floaters, und umgekehrt. Die Anpassung des Floaters richtet sich nach der Entwicklung eines bestimmten Zinssatzes.


FIBOR:
Zwölf ausgewählte deutsche Banken geben banktäglich an eine zentrale Erfassungstelle einen Zinssatz bekannt, zu dem sie bereit wären, anderen Geldinstituten Geld für 3 Monate oder 6 Monate zu leihen. Der höchste und niedrigste Zinssatz wird gestrichen, der Durchschnitt der verbleibenden 10 Zinssätze bilden den 3-Monats- bzw. 6-Monats-FIBOR.

 

LIBOR:
Neben dem deutschen FIBOR gibt es weitere solcher Zinssätze, bekannt ist vor allem der am Londoner Wertpapiermarkt verwendete LIBOR.


Von dem Zinssatz, der als Referenz vereinbart wird, wird ein festgelegter Abzug vorgenommen.
Beispiel: "Es werden Zinsen in Höhe des 3-Monats-FIBORS abzüglich 0,3 Prozentpunkte gezahlt."

Im Laufe der Zeit haben sich Floater mit verschiedenen Besonderheiten bei den Zahlungsmodalitäten gebildet. Als Beispiel seien die Floater mit einer Begrenzung des Zinssatzes nach oben (Cap-Floater) oder unten (Floor-Floater) genannt. Neben diesen gibt es weitere "Spezial"-Floater.


In Zeiten eines niedrigen Zins-Niveaus können Floater als Anlage sinnvoll sein. Man kauft in dieser Phase keine langlaufenden Wertpapiere, da die Rendite zu gering ist. Mit Floatern nimmt man an der steigenden Entwicklung des Zins-Niveaus teil, um später in einer Hochzinsphase auf andere Wertpapiere mit festem Zinssatz umzusteigen.


Variabel verzinste Wertpapiere:
Reverse Floating Rate Notes - Reverse Floater

Auch hier wird der Zinssatz in bestimmten Abständen angepaßt. Aber mit einem ganz anderen Effekt. Mit steigendem Zins-Niveau am Kapitalmarkt sinkt der Kapital-Ertrag, bei sinkendem Zins-Niveau steigt der Kapital-Ertrag.

Reverse Floater sind mit einem hohen Zinssatz ausgestattet, zum Beispiel 15%. Davon wird jetzt zum Beispiel der FIBOR abgezogen. Der Effekt: Bei sinkendem FIBOR (sinkendem Zins-Niveau des Kapitalmarktes) steigt die Spanne an, bei steigendem FIBOR verringert sich die Spanne.

Grundzinssatz abzüglich FIBOR Zinssatz für den Anleger
15% 10% 5%
15% 7% 8%

Der Inhaber profitiert von einem sinkendem Zins-Niveau. Sinken die Zinsen am Kapitalmarkt, sinkt der Referenz-Zinssatz (z.B. FIBOR). Sinkender Referenz-Zinssatz bedeutet für den Anleger, daß der Floater mehr Zinsen abwirft.


Zinsphasen-Anleihen

Das Prinzip: Erst wird für einen festgelegten Zeitraum ein fester Zinssatz geboten, dann für den zweiten Zeitraum ein variabler Zinssatz, dann für den dritten Zeitraum wieder ein fester Zinssatz.
Warum macht man das? Anleger weichen in einer Niedrigzinsphase gerne auf andere Anlageformen aus. Das soll mit dem Angebot von Zinsphasenanleihen verhindert werden. Der Anleger nimmt später an der steigenden Entwicklung teil.
Trotzdem birgt diese Variante ein Risiko. Die drei Zeiträume sind festgelegt, die Entwicklung des Zins-Niveaus am Kapitalmarkt hält sich aber vielleicht nicht an diese Phasen.
Welche Rendite eine Zinsphasenanleihe bringt, ist ungewiß, da im zweiten Zeitraum der Zinssatz variabel ist.


Doppelwährungs-Anleihen

Das sind verzinsliche Wertpapiere, bei denen die Rückzahlung des Geldes in einer anderen Währung erfolgt. Das Wertpapier ist zum Beispiel auf EURO ausgestellt, wird aber bei Fälligkeit in US-Dollar zurückgezahlt. Je nach dem, wie sich bis zur Fälligkeit die beiden Währungen entwickeln, ergibt sich für den Anleger oder für den Emittenten ein Nachteil. Anleger und Emittent gehen im Prinzip eine Wette über die Entwicklung zweier Währungen ein. Trotz eines hohen Zinssatzes kann es durch Währungsdifferenzen zu einer niedrigen Rendite kommen. Im umgekehrten Fall kann sich der Anleger über einen zusätzlichen Währungsgewinn und eine höhere Rendite freuen.


Options-Anleihen

Das sind verzinsliche Wertpapiere, denen zusätzlich Optionsscheine beigefügt sind. Diese Optionsscheine berechtigen zum Kauf oder Verkauf eines Vermögenswertes - zum Beispiel Aktien - zu einem festgelegten Preis in einem bestimmten Zeitraum.

Die Verzinsung einer Options-Anleihe ist niedriger als bei einer herkömmlichen Anleihe. Als Ausgleich, um dem Anleger die Options-Anleihe »schmackhaft« zu machen, sind die Optionsscheine beigefügt.

Für den Käufer einer Options-Anleihe ergeben sich drei mögliche Strategien:

    1. Ausüben des Optionsrechts
    Beispiel: Der Optionsschein berechtigt zum Kauf einer Aktie zum Preis von 500 EURO. Der Börsenkurs der Aktie steigt im »Options-Zeitraum« auf zum Beispiel 600 EURO. Der Anleger wird die Option (Kauf der Aktie zum Preis von 500 EURO) ausüben. Die für 500 EURO erworbene Aktie kann er an der Börse zum aktuellen Börsenkurs verkaufen. In diesem Beispiel für 600 EURO.
    Die Rendite für den Anleger ergibt sich aus Zinsgewinn und Veräußerungsgewinn.

    2. Verfallenlassen der Optionsscheine
    Beispiel: Der Optionsschein berechtigt zum Kauf einer Aktie zum Preis von 500 EURO. Der Börsenkurs der Aktie fällt im »Options-Zeitraum« unter 500 EURO. In diesem Fall wird der Anleger von der Option auf Bezug von Aktien keinen Gebrauch machen, weil es sich nicht lohnt. Die Optionsscheine verfallen am Ende der Laufzeit.
    Die Rendite für den Anleger ergibt sich aus dem Zinsgewinn. Der ist üblicherweise geringer als wenn der Anleger ein herkömmliches verzinsliches Wertpapier(Unternehmens-Anleihe, Staatsanleihe) gekauft hätte.

    3. Verkauf der Optionsscheine
    Beispiel: Der Anleger verkauft die Optionsscheine, die der Options-Anleihe beigefügt sind, über die Börse. Diese Strategie wird der Anleger verfolgen,
    - entweder wenn er glaubt, daß er einen insgesamt höheren Gewinn als bei Strategie 1 erzielen wird,
    - oder wenn er glaubt, daß der Wert der Aktie während der Laufzeit des Optionsrechts nicht steigen wird.

Hinweis
Für den Anleger besteht während der Laufzeit der Options-Anleihe ein erhöhtes Kurs-Risiko für die Anleihe. Ein Kursrückgang der Aktie wirkt sich auch auf den Kurs der Options-Anleihe aus.
Wenn man die Options-Anleihe allerdings bis zur Fälligkeit behält, gibt es kein Kurs-Risiko, da die Anleihe auf jeden Fall zu einem Kurs von 100%, das heißt zum Nennwert zurückgezahlt wird.

Hinweis
An der Börse werden Options-Anleihen mit beigefügten Optionsscheinen (Cum-Anleihe genannt) und Options-Anleihen ohne beigefügte Optionsscheine (Ex-Anleihe genannt) gehandelt.

Hinweis
Options-Anleihen sollten nicht mit Wandel-Anleihen verwechselt werden. Wandel-Anleihen können in Aktien getauscht werden, wobei sie selber verfallen. Bei Options-Anleihen besteht das Recht, Aktien zusätzlich zu erwerben. Die Options-Anleihe verfällt nicht, sie wird bei Fälligkeit zum Nennwert zurückgezahlt.


Wandel-Anleihen

Das sind verzinsliche Wertpapiere, bei denen Sie zusätzlich das Recht erwerben, die Wandel-Anleihe in einer bestimmten Frist (Wandelfrist) zu einem bestimmten Preis (Wandelpreis) gegen Aktien des Unternehmens einzutauschen, dessen Wandel-Anleihen Sie besitzen. Sie können das tun, müssen es aber nicht. Machen Sie von der Wandelmöglichkeit keinen Gebrauch, so wird die Wandel-Anleihe am Ende der vereinbarten Laufzeit zum vollen Nennwert (100%) zurückgezahlt. Wählen Sie dagegen den Tausch in Aktien, dann verfällt die Anleihe. (Das unterscheidet sie von der zuvor besprochenen Options-Anleihe, bei der Sie Aktien zusätzlich günstig erwerben können.)

Eine Wandel-Anleihe verzinst sich etwas schlechter als die herkömmlichen verzinslichen Wertpapiere. Als Gegenleistung für die schlechtere Verzinsung erhalten Sie das Recht, die Anleihe in Aktien zu tauschen. Die Laufzeit beträgt meist 10 Jahre, andere Laufzeiten sind möglich.

Sie werden von Ihrem Recht, die Wandel-Anleihen in Aktien »umzutauschen«, Gebrauch machen, wenn der Aktienkurs so günstig ist, daß Sie durch einen Wandel einen zusätzlichen Gewinn machen werden. Ansonsten werden Sie das Wandelrecht verfallen lassen. In diesem Fall stellt sich heraus, daß »normale« Anleihen wegen des höheren Zinssatzes die lukrativere Geldanlageform gewesen wären. Sie haben sich verspekuliert.


Junk-Anleihen (Junk-Bonds)

Das sind verzinsliche Wertpapiere von Emittenten, deren Zahlungsfähigkeiten von den Experten der Rating-Agenturen (professionelle Bewerter) als bedenklich eingestuft wird. Hochverschuldete Länder oder Unternehmen, die von Banken keinen Kredit mehr bekommen, versuchen sich durch Ausgabe von Anleihen mit überdurchschnittlich hohen Zinsen Geld zu besorgen. Das erhöhte Risiko (Rückzahlung des Geldes und/oder Zahlung der Zinsen nicht sicher) wird dem Anleger mit dem Versprechen höherer Zinsen versüßt.


EURO-Auslandsanleihen

Auch die Staaten, denen es wirtschaftlich und finanziell nicht so gut geht, sind daran interessiert, sich von deutschen Anlegern Geld zu leihen. Das gilt auch für Unternehmen solcher Länder. Da der Anleger sich aber wegen möglicher Währungsverluste selten für "exotische" Währungen begeistern kann, geben ausländische Emittenten auch Anleihen in der deutschen Währung heraus. Eine Unternehmens-Anleihen ist ein verzinsliches Wertpapier, das von Wirtschafts-Unternehmen ausgegeben wird. Auf diesem Weg leihen sich diese Geld. Unternehmen umgehen so die Kreditaufnahme bei einer Bank.
Die meisten Anleihen werden an der Börse gehandelt, aber nicht alle. Kaufen und verkaufen kann man sie über Banken und Sparkassen.

Vermittler-Trick: Falls Ihnen ein Vermögensberater Wertpapiere anbietet, die nicht an der Börse gehandelt werden, oder die nur in geringen Mengen gehandelt werden, sollten Sie sich im klaren darüber sein, daß Sie ein erhöhtes Risiko eingehen. Denn Sie können die Wertpapiere nicht "mal eben" an der Börse verkaufen.


Mindestanlage

Von Anbieter zu Anbieter verschieden


Einheiten

Vielfache der Mindestanlage (also keine "krummen Beträge)


Laufzeit

Von Anbieter zu Anbieter verschieden


Zinszahlung

Meist jährlich, andere Regelung möglich


Verfügbarkeit

Jederzeit, wenn börsengehandelt, sonst nein


Risiko

Viele Anleger glauben, daß Anleihen kein Risiko bergen. Schließlich bekommt man feste Zinsen und am Ende der Laufzeit das Kapital zurück. Das Risiko besteht in der Zahlungsfähigkeit des Ausstellers. Zinszahlungen und die Rückzahlung des Kapitals sind solange sicher, wie der Aussteller zahlungsfähig ist. Es gibt keine Garantie, daß ein Aussteller immer zahlungsfähig sein wird. Gerät ein Aussteller in wirtschaftliche Schwierigkeiten, kann die Zinszahlung und später sogar die Rückzahlung des Kapitals gefährdet sein.

Die Bonität vieler Aussteller sind den Banken und Sparkassen bekannt, da sie Zugriff auf die Informationen von privatwirtschaftlich organisierten Ratingagenturen haben. Diese Ratingagenturen bewerten die Fähigkeit eines Unternehmens, langfristige Schuldenverpflichtungen pünktlich zu begleichen.


Sparprogramm möglich

Ja


Wert-Schwankungen

Anleihen, die an der Börse gehandelt werden, haben einen Börsenkurs. Der Börsenkurs sagt aus, wieviel das Wertpapier an der Börse wert ist. Dieser Wert ändert sich während der Laufzeit. Er kann steigen oder fallen.


Vertrags-Bedingungen

Wer Anleihen kauft, geht einen Vertrag mit dem Schuldner ein. Die Vertrags-Bedingungen regeln die Beziehungen zwischen Schuldner und Gläubiger (Anleger). Dazu gehören unter anderem die Bestimmungen über die Laufzeit, die Höhe der Zinsen, die Art der Zinszahlung, die Art der Rückzahlung. Diese Bestimmungen sollten Sie sich von Ihrem Anlageberater gründlich erläutern lassen. Viele Anleger vertrauen blind darauf, daß der Anlageberater "schon nichts nachteiliges empfehlen wird". Da hat schon so mancher, der so dachte, sein Geld verloren.
Empfehlung: Zeugen zum Beratungsgespräch mitnehmen, Zusagen des Anlageberaters schriftlich festhalten (von allen beim Gespräch Anwesenden unterschreiben lassen). Am besten Sie informieren sich zuerst online über die verschiedenen Wertpapiere.