Das Versicherungs-Darlehen

Viele Versicherungs-Gesellschaften legen das Geld ihrer Kunden nicht nur am Kapitalmarkt an. Einen Teil leihen sie als Hypotheken-Darlehen aus.

Nun geben die Versicherungs-Gesellschaften das Geld nicht so einfach als Annuitäten-Darlehen heraus wie eine Bank oder Sparkasse. Ratzfatz, eine Lebensversicherung mit Sparvorgang muß abgeschlossen werden. Die übernimmt die Tilgung des Darlehens. Allerdings erst am Ende der Laufzeit.

Bis dahin zahlt der Kunde keinen Cent des Darlehens zurück. Die Schulden bleiben vom ersten bis zum letzten Laufzeitjahr in voller Höhe bestehen. Und auf diese Schulden wird jedes Jahr der Zins berechnet. Bei zum Beispiel 150.000 EURO Hypotheken-Darlehen werden bei 7% Zinsen jedes Jahr 10.500 EURO Zinsen fällig. Ohne daß die Schulden weniger werden. Das Geld für die Tilgung wird als Beitrag in die Lebensversicherung gesteckt. Irgendwann haben sich bei der dann aus Beiträgen und der Gewinn-Beteiligung 150.000 EURO angesammelt. Damit kann dann das Hypotheken-Darlehen zurückgezahlt werden.


Der Haken

Die Rendite von Kapital-Lebensversicherungen lag in der Vergangenheit zwischen 4,5% und 7,0%, je nach Leistungsfähigkeit der einzelnen Gesellschaften. Für die Zukunft ist zu erwarten, daß sie aufgrund der Stabilitäts-Kritierien der Europäischen Union, die jedes Mitglieds-Land einhalten soll, deutlich niedriger sein wird.
Für die Schulden (Hypotheken-Darlehen) müssen aber mehr Zinsen aufgebracht werden als man an Kapital-Erträgen bei der Lebensversicherung erhält. Deshalb rechnet sich diese Art der Finanzierung prinzipiell nicht. Versicherungs-Gesellschaften behaupten etwas anderes, aber das braucht man nicht ernst zu nehmen. Da rechnen Vertreter schon mal vor:
"Für die Hypothek zahlen Sie bei uns 6,5% Zinsen (Niedrigzinsphase), für die Lebensversicherung bekommen Sie 7% "Zinsen". Das rechnet sich."
Na ja, die Wirklichkeit sieht dann doch anders aus. Abgesehen davon, daß in der Rechnung einige Nebenkosten fehlen, die alles andere als nebensächlich sind, muß man auch noch sehen, daß nur die besten Anbieter in der Vergangenheit diese Rendite geschafft haben. Die anderen lagen um einiges schlechter. Grundsatz: Wer einerseits niedrige Darlehenszinsen für ein Hypotheken-Darlehen bietet, hat andererseits nicht die höchste Überschuß-Beteiligung bei der Lebensversicherung. Wenn eine Gesellschaft einen niedrigen Zinssatz für Hypotheken-Darlehen anbietet, kommt entsprechend wenig Gewinn herein. Das drückt die Gewinn-Beteiligung der Lebensversicherung nach unten. Bevor Sie ein Darlehen abschliessen ist es wichtig sich zu informieren und die Zinsen zu vergleichen.


Mögliche Risiken der Versicherungs-Finanzierung


Problem 1: Unkalkulierbare Laufzeit

Eine Versicherungs-Finanzierung dauert so lange, bis die Lebensversicherung ein Guthaben in Höhe des Hypotheken-Darlehens erreicht hat. Wann das der Fall ist, ist aber unbestimmt, da es bei einer Lebensversicherung keine festen Kapital-Erträge gibt. Je geringer die Erträge aus der Anlage der Sparanteile am Kapitalmarkt sind, desto länger dauert es, bis die Höhe des Hypotheken-Darlehens erreicht wird.
Die Hochrechnungen, die Gesellschaften und Vertreter gerne verwenden, sind unverbindlich. Bis auf wenige Ausnahmen sind die für uns auch unglaubwürdig. In der Kronenberg-Rendite-Studie, von der Sie Auszüge hier lesen können, ist einiges dazu veröffentlicht. 1, 2 oder 3 Jahre Verlängerung der Laufzeit wegen schlechter Gewinn-Beteiligung machen bei einer Finanzierung gleich mehrere ZehnTausend EURO Verlust aus. Bei der Versicherungs-Finanzierung muß für jedes Verlängerungsjahr der Zins auf die gesamte Darlehenssumme gezahlt werden, da während der Laufzeit kein Cent getilgt wird.

Problem 2: Zinsänderung nach der Festschreibung

Üblich ist eine Festschreibung der Zinsen für 10 Jahre. Manche Gesellschaften bieten auch 15 Jahre an, eine Versicherungs-Gesellschaft rühmt sich, eine Festschreibung über die gesamte Laufzeit anzubieten.
Endet nach 10 Jahren die Festschreibung, wird ein neuer Zinssatz für den nächsten Festschreibungs-Zeitraum festgelegt. Der neue Zinssatz orientiert sich an dem dann gültigen Zins-Niveau des Kapitalmarktes. Das Risiko besteht darin, daß der neue Zinssatz höher ist als der bisherige. Insbesondere wenn man wie jetzt 1998 zu einem relativ niedrigen Zinssatz finanziert, kann einen das Schicksal höherer Zinsen in 10 Jahren treffen. Das Dumme bei der Versicherungs-Finanzierung: In 10 Jahren sind die Schulden genau so hoch wie heute, da ja keine laufende Tilgung stattfindet.
Vergleich: Beim Annuitäten-Darlehen der Bank ist das anders. Die Restschulden sind hier wegen der laufenden Tilgung geringer. Ein höherer Zinssatz trifft zwar auch das Annuitäten-Darlehen der Bank, aber nicht in dem Ausmaß wie bei der Versicherungs-Finanzierung.