Kreditfinanzierte RentenVersicherungen
Hierbei handelt es sich nicht um ein selbständiges Produkt, sondern um eine Kombination mehrerer herkömmlicher Produkte zu einem neuen Geldanlage-Modell.
Ziel ist es, den Fiskus an der Finanzierung einer Renten-Versicherung zu beteiligen und so die Rendite zu steigern.
Das Modell
- Der Versicherungs-Kunde nimmt einen Kredit auf.
- Mit dem Geld des Kredits schließt er eine sofort beginnende Leibrenten-Versicherung ab.
- Die zahlt daraus lebenslänglich monatlich (oder vierteljährlich) eine Rente.
- Diese Monats-Rente wird dazu verwendet, die Zinsen für den Kredit zu zahlen.
- Zusätzlich schließt der Versicherungs-Kunde einen InvestmentFonds-Sparplan ab. Aufgrund der Rendite-Erwartung ist das ein Aktienfonds. Das Guthaben des Fonds soll dann am Ende der anvisierten Laufzeit den Kredit aus Ziffer 1 tilgen.
Was soll das? Was bringt das?
Mit geliehenem Geld soll eine Altersversorgung aufgebaut werden, deren Rendite durch einen möglichen Steuervorteil gesteigert werden soll.
Da die Kreditzinsen normalerweise über lange Laufzeiten höher sind als die Zinsen, die man für eine Sparanlage der gleichen Laufzeit bekommt, rechnet sich eigentlich ein solches »Modell auf Pump« nicht. Interessant wird es durch den möglichen Steuervorteil, der mit diesem Modell verbunden sein kann. Die steuerliche Anerkennung ist umstritten. Ein Grundsatzurteil des Bundesfinanzhofes gibt es bisher nicht.
Die Steuer-Ersparnis
Der Steuer-Effekt resultiert daraus, daß eine Leibrente nur zum Teil steuerpflichtiges Einkommen darstellt. Der andere Teil ist steuerfrei. Die Kredit-Zinsen dagegen können unter bestimmten steuerlichen Voraussetzungen zu 100% als Verlust bei der Einkommensteuer geltend gemacht werden, was zu einer Ersparnis bei den zu zahlenden Steuern führt.
Bei diesem Modell wird im Prinzip ein ähnlicher Vorteil des deutschen Steuer-Systems genutzt, der auch Unternehmen und einem der Teil der Immobilien-Besitzer offensteht. Auch hier geht es darum, einen positiven Saldo mittels Nutzung von Steuer-Vorteilen herbeizuführen.
Normale Private Renten-Versicherung ohne Steuer-Vorteil:
Die Zinsen für einen Kredit sind höher als Rendite der Geldanlage, die man mit dem geliehenen Geld kauft. Beispiel: Für den Kredit 8% Zinsen zahlen, für die Sparanlage 7% bekommen, das rechnet sich nicht. Es wäre ein Verlust-Geschäft.
Kredit-finanzierte Renten-Versicherung Mit Steuer-Vorteil:
Aus den 8% Kreditzinsen werden durch die Steuer-Ersparnis effektiv 5% (Beispiel). Die Sparanlage bringt 7%. Das würde sich rechnen, wenn das Modell während der Laufzeit ungestört läuft.
Die Promotoren des Modells meinen übrigens, daß sich das Modell auch ohne Steuervorteil rechnen würde. Das stimmt sogar, allerdings nur, wenn der Aktienfonds, der in diesem Modell eingebaut ist, nicht abschmiert und die den Berechnungen zugrunde liegende hohe Rendite auch erreicht wird. Wehe, wenn nicht ...! Aber das interessiert den Verkäufer so wie ein umfallender Sack Reis in Asien.
Risiken der Kredit-finanzierten Rente
Es gibt mehrere Voraussetzungen, die für das Funktionieren des Modells erfüllt werden müssen.
Risiko 1
Bei derartigen Steuer-Modellen muß der Finanzbehörde plausibel nachgewiesen werden, daß das Modell auch tatsächlich der Gewinnerzielung dient und nicht einzig darauf abgestellt ist, steuerwirksame Verluste zu produzieren.
Risiko 2
Derzeit ist fraglich, ob der Gesetzgeber ein solches Modell zulassen wollte oder ob er - wie vielfach in der Vergangenheit - nur die Möglichkeit und Tragweite übersehen hat. In diesem Fall könnte der Gesetzgeber durch eine klarstellende Gesetzes-Änderung das Modell kippen, sofern ihm die Finanz-Gerichte nicht zuvor kommen. Selbst wenn der Steuervorteil erst mit Beginn der Neuregelung entfallen würde, hätte dies Konsequenzen für das Modell, dessen Vorteils-Berechnung auf der Annahme eines durchgängigen Vorteils über die gesamte Laufzeit beruht. Eine steuerliche Aberkennung kann aus einem Vorteils-Modell ein Nachteils-Modell werden lassen.
Gerne verweisen die Verkäufer auf Gutachten von ’Steuer-Experten’ und Schreiben diverser Länder-Finanzbehörden und Finanzämter. Die Erfahrung zeigt, daß es eine Vielzahl von anderen Steuer-Fällen in der Vergangenheit gab, wo dann letztlich der Segen der obersten Instanz (Bundesfinanzhof / Verfassungsgericht) trotzdem versagt blieb.
Risiko 3
Die Rendite der Leibrenten-Versicherung ist nicht garantiert. Die monatliche Rentenzahlung kann gekürzt werden, wenn die Versicherungs-Gesellschaft zu Beginn des Vertrages höhere Kosten als früher hat oder wenn die Gewinne am Kapitalmarkt niedriger ausfallen als bei Abschluß angenommen. Die Kalkulation der Versicherungs-Gesellschaft ist sehr vage, da sie die Gewinne weniger Jahre auf Jahrzehnte "hochrechnet". Fallen die Gewinne der Leibrenten-Versicherung niedriger als angenommen aus, reichen die gekürzten monatlichen Renten nicht mehr aus, um damit die Kredit-Zinsen zu begleichen. Die Rendite-Rechnung des gesamten Modells stimmt nicht mehr.
Auffallend an vielen Modell-Berechnungen ist, daß das Verhältnis von durchschnittlichem Kapitalanlage-Zins-Niveau zu Kreditzins schöngerechnet wird. Die Renditen der Leibrenten-Versicherung werden mit einer Verzinsung von 7% und mehr "hochgerechnet", obwohl das Zins-Niveau am Kapitalmarkt derzeit weit darunter liegt. Schon über mehrere Jahre können die Versicherungs-Gesellschaften das Geld nur noch zu Zinsen von 4% bis 6% anlegen. Aus Rückstellungen von Gewinnen kann die Differenz ein paar Jahre aufgefangen werden. Aber eben nicht über 20 und mehr Jahre. Daß die Gesellschaften dennoch munter mit 7% und mehr "hochrechnen", basiert allein auf der Hoffnung, daß langfristig die Zinsen wieder steigen. Eigentlich bluffen die Versicherungs-Gesellschaften Millionen Kunden mit ihren allzu hohen "unverbindlichen" (!) Berechnungen.
Risiko 4
Mit dem angesparten Geld aus dem InvestmentFonds-Sparvertrag soll der Kredit beglichen werden. Dabei wird für die Berechnung des Modells eine bestimmte Fonds-Rendite unterstellt. Aufgrund der guten Ergebnisse von Aktienfonds in bestimmten Zeiträumen wird dabei durchweg mit sehr hohen Renditen gerechnet. Zusätzlich problematisch: Der Kredit für den Kauf der Leibrenten-Versicherung läuft zu einem festen Termin ab. Sollte sich der Aktienmarkt nicht daran halten, daß zu diesem Zeitpunkt die angenommene Fonds-Rendite erwirtschaftet werden konnte, fehlt Geld, um den Kredit abzulösen. Eine Verlängerung kostet zusätzliche Kredit-Zinsen, die in dem Modell nicht eingerechnet sind, was dazu führt, daß die gesamte Rendite-Rechnung nicht mehr stimmt. Ist eine Verlängerung nicht möglich (der Kreditgeber kann sich weigern, es sei denn eine Verlängerungs-Option wird bei Abschluß des Kredit-Vertrages mit vereinbart), muß der Versicherungs-Kunde irgendwoher das fehlende Geld auftreiben.
Risiko 5
Werden die Kredit-Zinsen nicht für die gesamte geplante Laufzeit festgeschrieben (zum Beispiel nur für 10 Jahre), besteht das Risiko, daß nach dieser Zeit ein sehr viel höherer Zinssatz gelten wird, weil sich das Zins-Niveau des Kreditzins-Marktes entsprechend geändert hat. (Derzeit ist das Zins-Niveau historisch niedrig.)
Sollte der Kredit in einer Nicht-EURO-Währung aufgenommen werden, kommt ein zusätzliches Kredit-Währungs-Risiko hinzu. In der Vergangenheit sind beispielsweise ungezählte Anleger mit solchen Fremdwährungs-Modellen "baden gegangen", weil sich die Währung Deutsche Mark (heute EURO) zu dieser Kredit-Währung anders entwickelt hat als Verkäufer solcher Anlagen das den Opfern schön-gerechnet haben.
Risiko 6
Die Modelle unterstellen, daß beim Käufer während der Laufzeit eine bestimmte persönliche Steuer-Situation gegeben ist. Die kann sich aber ändern. Eine Scheidung kippt das Modell, denn der Steuersatz ändert sich radikal. Eine Verschlechterung der Einkommen-Situation kippt das Modell.
Folgen, wenn das Modell »platzt« Der Verkäufer hat sein Geld in jedem Fall verdient. Das können bis zu 20.000 EURO und mehr sein.
Sie als Käufer dagegen verlieren dieses Geld (die Provisionen stammen natürlich von Ihren Einzahlungen!) und noch mehr. Ein Großteil der Kosten dieses Modells wird von Ihren ersten Einzahlungen bestritten. Das verlieren sie plus die entgangenen Zinsen auf diese Beträge. Sie sitzen dann auf einer Leibrenten-Versicherung, die ohne Steuervorteil wenig lukrativ ist. Sie sitzen auf einem Kredit, der bedient werden muß. Und wenn´s ganz schlimm kommt, stellt sich auch der InvestmentFonds als »schlappe Nummer« heraus.
Aber wie gesagt: Der Verkäufer hat sein Geld. Bank, Versicherungs-Gesellschaft und Fonds-Gesellschaft haben daran verdient.
Sie sehen: Das Risiko liegt einzig bei Ihnen.
Fazit Den Modellen liegen mehrere Annahmen zugrunde, die so eintreten können oder auch nicht. Das macht diese Art der Geldanlage so spekulativ.
Treten die Annahmen ein, ist eine solche Geldanlage vorteilhaft. Treten Sie nicht ein, sind Sie der Verlierer, während der Verkäufer und die Finanz-Anbieter trotzdem Gewinner sind.