Kapitalanlage
Kapitalanlage: Welche Rendite der Sparanteil bringt
Was nach den Kostenabzügen vom Beitrag der Kunden übrigbleibt,
wird am Kapitalmarkt angelegt (Sparanteil). Aus den Erträgen dieser
Kapital-Anlagen erhalten die Kunden die sogenannte
Gewinn-Beteiligung.
Für die Vergangenheit kann man Aussagen treffen, welche Rendite
erzielt werden konnte. Für die Zukunft weiß man das nicht.
Allerdings kann man einige allgemeine Aussagen treffen.
In der Vergangenheit: Rendite des Sparanteils
Die Rendite des Sparanteils wird in der Fachsprache als
'Nettoverzinsung der Kapitalanlagen' bezeichnet.
Beispielhaft nennen wir Ihnen die durchschnittliche Rendite, die
die Versicherer für den 25-Jahres-Zeitraum von 1975 bis 2000 erzielen konnten:
-
Sie betrug 7,28% p.a. (Quelle: Kronenberg-Rendite-Studie)
In den 25-Jahres-Zeiträumen davor
(1970-1995 / 1971-1996 / 1972-1997 / 1973-1998 / 1974-1999)
lag sie geringfügig darüber, etwa bei 7,4% bis 7,5%. Sie ist
von Jahr zu Jahr gesunken, weil sich in den letzten Jahren das niedrige
Zins-Niveau am deutschen Rentenmarkt (= Markt für verzinsliche Wertpapiere)
immer stärker renditemindernd niederschlägt.
Von 2000 bis 2005 ist sie drastisch eingebrochen, weil viele Lebensversicherer
sich am Aktienmarkt verzockt haben. In der Euphorie-Phase ab 1995 wurden
besonders viele Aktien gekauft. Und die nahmen dann voll an der Talfahrt
der Aktien-Kurse ab dem Jahr 2000 teil.
Abweichungen vom Durchschnitt
Da nicht alle Unternehmen genau die gleichen Kapitalanlagen
gekauft haben, gibt es Abweichungen von diesem Durchschnitt.
Angesichts der gesetzlichen Vorschriften,
die die Gesellschaften bei der Wahl der Geldanlagen einhalten
müssen, waren diese Abweichungen aber im langjährigen Durchschnitt
über 20 und mehr Jahre auf einige
Zehntel Prozent nach oben und unten begrenzt. Grund:
Das Geld wurde überwiegend in sicheren Zins-Anlagen investiert,
deren Zins-Unterschiede im langjährigen Durchschnitt gering waren.
Das änderte sich wie im Abschnitt zuvor bereits gesagt ab 1995
drastisch. Verzinsliche Wertpapiere wurden vermehrt durch Aktien ersetzt.
Dieser Zusammenhang ist wichtig. Teure, kostenträchtige
Versicherungs-Gesellschaften, respektive deren Verkäufer,
versuchen immer wieder den Eindruck zu erwecken, daß eine
Versicherungs-Gesellschaft bei der Kapitalanlage den
verlorenen Boden bei den Kosten wieder wettmachen könnte.
Bis zu 2 Prozentpunkte Rendite-Verlust durch
hohe Kosten können aber mit der Anlage in sicheren Gelanlagen
eben nicht aufgeholt werden, sondern nur ein paar
Zehntel Prozent. Mit Aktien könnte das aufgeholt werden. Genau
so gut aber kann ein Absturz der Aktien-Kurse die Rendite nach
unten ziehen. Seit dem Jahr 2000 erleben wir ja gerade diese
Situation.
Im übrigen: In solchen Vergleichen versteckt sich die
Annahme, daß die teure Versicherungs-Gesellschaft die
höheren Kapital-Erträge erzielen wird. Wie einfältig.
Das kann so sein - oder auch nicht.
Hinweis auf die Zukunft
Welche Anlageform in Zukunft wieviel Rendite abwerfen wird,
ist nicht vorhersehbar. Man sollte allerdings beachten, daß
die Verzinsung der Zins-Anlagen in den meisten Europäischen
Ländern langfristig rückläufig ist. Das ist eine direkte Auswirkung
der politischen EU-Entscheidungen, die auf eine Reduzierung der
Inflationsrate innerhalb der EU gerichtet sind. Da es einen
direkten Zusammenhang zwischen Inflationsrate und Zinshöhe
gibt, wird bei konstant niedrigerer Inflationsrate in der
Zukunft auch die Zinshöhe bei Zins-Anlagen im langfristigen
Durchschnitt geringer als in der Vergangenheit ausfallen.
Die anhaltende Zins-Flaute in Deutschland in den letzten
Jahren ist ein erster deutlicher Hinweis auf diese Entwicklung.
Man darf die Bedeutung dieser Niedrigzins-Entwicklung nicht
unterschätzen. Rechneten die Versicherer in der Vergangenheit
mit deutlich über 7% Verzinsung der Kapitalanlagen, liegen
sie seit einigen Jahren aus dem zuvor genanntem Hauptgrund
(es gibt noch weitere, aber weniger wichtigere Gründe für
diese Entwicklung) nur noch bei 5%. Tendenz weiter fallend! Ändert
sich diese Entwicklung nicht nennenswert - und eigentlich darf sie
sich durch die EU-Maßnahmen zur Stabilisierung nicht ändern -
wird die Rendite einer Kapital-Lebensversicherung selbst bei
einem kostengünstigen Versicherer nur bei circa 4% liegen
können, bei einem kostenträchtigen Versicherer werden es
3% und weniger sein.
Rettet ein höherer Aktien-Anteil die Rendite?
In der Vergangenheit durften deutsche Versicherungs-Gesellschaften
nur 5% der Anlagebeträge in Aktien und ähnlichen Anlageformen
investieren. In den 90er Jahren wurde diese gesetzliche Vorschrift
geändert. Es dürfen bis zu 35% der Kapitalanlagen in Aktien angelegt
sein. Bietet eine Gesellschaft einen Tarif an, der dies tatsächlich
ausreizt, kann folgendes passieren:
-
Möglichkeit 1:
Die Aktien werfen eine überdurchschnittliche Rendite ab und ziehen die niedrige Zins- und Immobilien-Rendite nach oben. -
Möglichkeit 2:
Oder genau umgekehrt werfen die Aktien eine unterdurchschnittliche Rendite ab und reißen die ohnehin niedrige Zins- und Immobilien-Rendite noch weiter nach unten.
Wie der Sparanteil angelegt wird
Was nach den Kostenabzügen vom Beitrag der Kunden übrigbleibt,
wird am Kapitalmarkt angelegt (Sparanteil). Aus den Erträgen dieser
Anlagen erhalten die Kunden die sogenannte
Gewinn-Beteiligung.
Die Tabelle zeigt, wie die Versicherungs-Gesellschaften im
Durchschnitt den Teil der Beitrage, den sie nicht für Kosten
verbrauchen, anlegen:
Von 100 EURO Beitrag zweigt die Versicherungs-Gesellschaft zum
Beispiel 15 EURO für Kosten ab. Die verbleibenden 85 EURO werden
auf folgende Anlageformen aufgeteilt und entsprechend investiert:
| Immobilien | 4,1% |
| Anteile an verbundenen Unternehmen | 6,0% |
| Ausleihungen an verbundene Unternehmen | 0,3% |
| Beteiligungen | 1,7% |
| Ausleihen an Unternehmen, mit denen ein Beteil.verh. besteht | 0,3% |
| Aktien | 3,6% |
| Investmentanteile | 15,0% |
| andere nicht verzinsliche Wertpapiere | 0,7% |
| Inhaberschuldverschreibg. und andere verzinsl. Wertpapiere | 13,3% |
| Hypotheken-, Renten- und Grundschuldforderungen | 9,4% |
| Namensschuldverschreibungen | 27,3% |
| Schuldscheinforderungen und Darlehen | 15, 8% |
| Darlehen und Vorauszahlungen an Versicherungs-Kunden | 0,8% |
| übrige | 1,7% |
(Quelle: Presse-Mitteilung des Versicherungs-Aufsichtsamtes, 1998)
Die Abteilung 'Vermögensverwaltung' einer Versicherungs-Gesellschaft
agiert bei der Kapitalanlage ähnlich wie der Fonds-Manager
eines gemischten Investmentfonds
aus Aktienfonds, Rentenfonds
und Immobilienfonds. Und die Verzinsung, die ein Vermögensverwalter
am Kapitalmarkt erzielt kann, ist ähnlich der Verzinsung, die
ein entsprechender gemischter Investmentfonds erzielen kann.
Mal Gewinner, mal Verlierer
Eine zunehmend kritische Bericht-Erstattung hat die KLV in den letzten
15 Jahren in den Medien in Verruf gebracht. Schuld sind aber nicht
die "bösen Medien". Die Anbieter und Verkäufer sind selbst schuld. Die
Anbieter, weil viele von ihnen einen Teil der Kunden-Beiträge durch
Mißwirtschaft zum Fenster hinaus geworfen haben. Die Verkäufer, weil
viele von ihnen beim Verkauf aus Provisions-Gründen munter die Wahrheit
gebeugt haben.
Ob eine KLV für den Verbraucher eine gute Wahl ist oder nicht,
hängt vor allem vom jeweiligen Anbieter ab. Es
gibt ein paar "Hui-Policen" und ganz viele "Pfui-Policen".
Eine Kapital-Lebensversicherung ist nicht generell ein
schlechtes Produkt. Für eine bestimmte Klientel ist ein
Vertrag bei einem leistungsstarken Versicherer eine gute
Wahl.
Für viele ist sie dagegen eine schlechte Wahl. Warum das so
ist, zeigen wir Ihnen in mehreren Artikeln.